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Zum Geleit

JahreskreiseAls Katharina Steinert 1978 in meine Klasse für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf kam, mochte ich sie sofort. Sie fiel mir auf als eine geistig unabhängige Person. So etwas gehört zur Schaffenskraft, und es gefällt mir. Sie war als Malerin, besonders technisch, keine Anfängerin mehr. Trotzdem wechselte sie mit 23 Jahren die Kunstakademie München, zugunsten der Kunstakademie Düsseldorf. Sie wolle an einem Dialog über Bilder bzw. Kunst teilnehmen, den ich seit Jahren an der Kunstakademie führte.

Drei Jahre blieb sie bei mir und lernte Fragen der künsterlichen Konzeption zu diskutieren. Dabei zeigte sie Zivilcourage. Ihre künstlerichen Vorstellungen wichen schon damals von den gängigen Zeitgeisterscheinungen ab. Außerdem wusste sie genau, was bei Kunststudentinnen nicht oft der Fall ist, dass sie Malerin und Mutter von mehreren Kindern werden wollte. Diese auch heute noch ungewöhnliche Position, Mutter und Malerin zu sein, hat sich bereits erfüllt.

Katharina Steinert hat im Laufe der Zeit fünf Kindern das Leben geschenkt und hat die ganzen Jahre nicht aufgehört zu malen. Die ewige Frauenfrage – Beruf oder Kinder? – hat sie für sich elegant lösen können. Sie konnte es, weil sie von Natur aus eine extreme Lebenskraft mitbekommen hat. Und weil sie eine positive Unterstützung ihres Mannes erfuhr. Katharina Steinert ruht in sich und gibt diese Stärke allen Menschen weiter, die mit ihr zu tun haben. Wer Kraft hat, ist im Leben und erträgt die Natur.

Diese Tatsache macht es, dass ihre Malerei aus dem Rahmen des heutigen Kunstbetriebs herausfällt. Sie malt nicht in der Tradition der klassischen Moderne (dort u.a. formales Experiment), sondern sie malt direkt aus den Quellen der Natur, von den Landschaften aus ihrere unmittelbaren Umgebung und ihrem Einssein mit der Natur. Das heißt, Katharina Steinert besitzt die Fähigkeit zum Beispiel den Nebel, den Krähenflug über dem Rapsfeld, das Erblühen einer Pfingstrose mit allen Sinnen wahzunehmen, in voller Zugewandtheit.

Das ist gar nicht mehr selbstverständlich unter den menschlichen Verhaltensweisen. Für dieses „Naturstaunen“ gibt es in Deutschland eine Tradition, z.B. die Goethezeit, die Maler der Romantik, die Naturphilosophen Schelling und Fechner. Alles innerhalb des Naturgeschehens kreist seit Uhrzeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die Wochentage, Geburt, Wachsen, Reifen, Verblühen, Vergehen. Und die ewige Wiederkehr von allem. Sonne brennt, Nebel zieht auf, Schnee liegt, Blätter welken golden am Baum. All das: Ewiges und Einzelnes sehen die Augen von Katharina Steinert zweifach: als kluger, bescheidener, stark empfindender Mensch und als gestaltende Frau, als Malerin.

Sie sieht damit mehr von der Weltordnung als alle naturfernen, flüchtig wahrnehmenden Menschen, die in ihrer unzufriedenen Rastlosigkeit unseren Planeten durchqueren und unsere Zivilisation durch ihre Dauererrgung zuschanden machen.

Prof. Rissa 
Landschaftsmalerei – heute noch?
Eine lyrische Reflexion

Der Himmel rosa-grau,
frühmorgendlich
ultramarinblau –
leichtfüßig
türkis in unendliche Tiefe
glasklar durchscheinend bis ins Nichts
gewittrig drückend, aufregend
nebelfeucht, nichts-sagend
verheißungsvoll abendrötlich
mondig, graublau
Schnell wechselnde Stimmungen,
denen der Menschen vergleichbar